Die Freude, die Sie geben

EHRENAMT Das RentnerTrio aus ldstein und Bad Camberg macht seit fast zwölf Jahren regelmäßig im Seniorenheim Musik

Von Cane-Sophie Buzludag _Camberger Anzeiger
IDSTEIN. Alle Knochen sind nicht mehr ganz so jung, der Körper nicht mehr ganz so geschmeidig. Aber das Musikmachen, das lassen sich die drei Herren nlcht neh­men. Einmal im Monat stehen der Idsteiner Albert Beitz (83) sowie die beiden Bad Camberger Paul Boche (69) und Helmut Püschel (80) gemeinsam auf der Bühne als „Rentner-Trio“ im Seniorenheim carpe diem.
„Im November werden es zwölf Jahre“, erzählt Püschel stolz. Die Idee ehrenamtlich für und mit den Heimbewohnern Musik zu machen, stammt von Paul Boche. Der Bad Camberger arbeitete lan­ge Zeit im Carpe Diem als Haus­meister. Die Chefin habe ihn eines Tages angepochen erzählt Boch ob er denn nichmit ein paar Männern Musik machen wolle. Daraufhin sprach er seine Bekannten Beitz und Püschel an und die sagten zu. Lledersingen gab es im Carpe Diem zwar schon vor her.; Doch die drei Rentner hoben das „Mu­sikmachen“ auf ein neue LevelGleich zum ersten Auftritt brachte sie mehr als 20 Lieder m.it Die ersten drei Male waren tatsächlic nur Männer mit dabei, seit dem sind auch Frauen mit dabei. 60 Leute passen in den Gymnastikraum, den das Rentnertrio als Bühne nutzt. An besonderen Festen wie weihnachten ziehen sie in die öffentliche Galerie um – dann sind es 120 bis 130 Zuhörer. Die Konzerte bekamen schnell eine Eigendynamik, bei 20 Liedern ist es nicht geblieben. Auf „200 bis 300 Stücke“ schätzt Albert Beitz das Repertoire und klopft auf einen prall gefüllten Leitz-Ordner mit den Liedtexten – die Noten für die Lieder haben die Männer im Kopf. „Aber da kommen natürlich noch die Weihnachts- und Fastnachtslieder hinzu.“ Geübt wird trotzdem, „für neue Stücke“, im Haus Boches in Bad Camberg.

Das Programm für den Auftritt – in der Regel jeden zweiten Don­nerstag im Monat von 15.30 bis 17 Uhr – stellt Albert Püschel jedes Mal neu zusammen. Abwechs­lung ist den Männern wichtig. „Auch wenn wir ,Rot, rot, rot sind die Rosen‘ eigentlich jedes mal spielen könnten.“ Beitz lacht. Sie spielen vor allem volkstümliche Lieder und Schlager, die die Senio­ren kennen und die sie mitsingen können. „Wenn ein dementer Mensch, plötzlich mit dem Fuß mitwippt, ist das schon etwas sehr Schönes“, erzählt Boche.

Pause wird beim Auftritt nicht gemacht
Er fährt noch Essen auf Rädern aus und drückt an Auftrittstagen „ganz schön aufs Gas“. Um halb drei steht er in Idstein vor der Tür von Albert Beitz, eine Viertelstunde später vor der von Albert Püschel. Dann gehts auf ins Senio­renheim, eineinhalb Stunden vol­le Kraft voraus. ,,Pause machen wir nicht“, sagt Beitz.
Trotz allem Enthusiasmus, es gibt auch nachdenkliche Töne, Sätze wie: .,Die Besu­che sind schon eine Belastung“ oder „Damit muss man auch erst einmal fertig werden“. Die Auftrit­te vor und mit dementen Men­schen zehren an den Musikern. Aber: ,,Wir machen es, um den Leuten eine Freude zu machen“, sagt Boche:. Und Beitz ergänzt: „Der Spruch ,Die Freude, die wir geben kehrt ins eigene Herz zurück, der stimmt.“