Leuchtturmprojekt für das Dorf

Bergische Morgenpost I 29.06.2017 von Udo Teifel RPOnline

Die Stadt möchte vom Landesförderplan „Alter und Pflege“ profitieren und erhofft sich 120.000 Euro Fördermittel, um in Dabringhausen ein altengerechtes Quartier zu installieren. Dort leben überdurchschnittlich viele Menschen im Rentenalter.

Wermelskirchen. Dabringhausen steht derzeit im Mittelpunkt einer Projektentwicklung von Christiane Beyer. Sie leitet die Stabsstelle für demografischen Wandel, Inklusion und Quartiersentwicklung. In Dabringhausen soll das erste altengerechte Quartier entstehen, das mit Fördermitteln des Kreises unterstützt wird. 120.000 Euro stehen in diesem Jahr für die Nordkreisstadt zur Verfügung – die Kreisverwaltung hat grünes Licht signalisiert, da keine andere Stadt in Rhein-Berg eine Förderung benötigt. Nun müssen nur noch die politischen Gremien zustimmen. Heute diskutiert erstmals der Ausschuss für Soziales und Inklusion.

„Ich gehe davon aus, dass wir die Umsetzung noch in diesem Jahr starten werden“
(Christiane Beyer)

Als Quartiere werden heutzutage Stadtteile bezeichnet, in denen sich die Bewohner bewegen – vor allem ältere Menschen, die nicht mehr ganz so mobil sind. Es gibt bereits ein Quartier in der Wielstraße sowie das Quartier Wiedenhof. Letzteres wurde über die Wohlfahrtspflege gefördert. In der Wielstraße arbeitet der Bauverein mit einer Tagespflege zusammen.

In Dabringhausen, so hat Christiane Beyer festgestellt, leben überdurchschnittlich viele Menschen im Rentenalter. „Diese Tatsache macht die ganzheitliche Neuausrichtung der sozialen wir pflegerischen Infrastruktur notwendig“, sagt sie. Es erfordere die Initiierung von Engagement und die Nutzung weiteren Potentials wie beispielsweise gut funktionierende Netzwerke. Das zeichnet besonders diesen Stadtteil aus, erklärt Christiane Beyer. „Es gibt hier viele Akteure, die bestens vernetzt sind.“ Das fange bei einer aktiven Kirchengemeinde an und höre beim Verkehrs- und Verschönerungsverein Dabringhausen auf. Dazwischen gibt es den „Markt 57“ mit seinem gemeinnützigen Verein, die Eifgenhäuser oder die Tagespflege der Diakonie sowie eine stationäre Pflegeeinrichtung wie „carpe diem“, die sich am Dorfleben beteiligt und beispielsweise seit Jahren mit einem eigenen Wagen und Fußgruppen am Rosenmontagszug teilnimmt. „Wir können hier ein Leuchtturmprojekt umsetzen, dass der Landesförderplan „Alter und Pflege“ für den Kreis finanziert“, sagt Christiane Beyer.

Die Senioren aus der Pflegeeinrichtung „carpe diem“ ziehen seit Jahren im Rosenmontagszug mit.
Für die Dabringhausener ist das selbstverständlich und zeigt, wie gut das Miteinander zwischen
Jung und Alt funktioniert. 

Ein erstes Treffen vieler aktiver Gruppen aus dem Dorf hat schon stattgefunden – „alle wollen eine altengerechte Entwicklung eines Quartiers, aber auch für die Jugend soll etwas gemacht werden“, berichtet Christiane Beyer. Dafür sollen zwei Projektträger sorgen: Die Pflegeeinrichtung „Senioren-Park carpe diem“ und der Kreissportbund. „Der Kreissportbund hat Angebote für Senioren, wie zum Beispiel das Rollatortraining, kann aber auch die Jugend einbinden.“ Sie sollen Angebote machen, diese allerdings mit der Stadt abstimmen.

Das erste Quartier des Kreises, finanziert über die Fördermittel, entsteht zurzeit in Hilgen. Für 2017 könnte Wermelskirchen ein weiteres Quartier entwickeln. „Es gibt keine weitere Interessenten. Deshalb haben wir gute Chancen“, erklärt Christiane Beyer. Für einen Förderzeitraum von maximal drei Jahren wird in Höhe von jährlich 40.000 Euro ein Festbetrag gewährt, um vor Ort ein Quartier zu entwickeln, welches das selbstbestimmte Leben und die gemeinsame Teilhabe ermöglicht. Von diesem Betrag entfallen 30.000 Euro für eine Vollzeitstelle, 4500 Euro für Sachausgaben und 5500 Euro für Veranstaltungen und Maßnahmen. Die beiden Projektträger beteiligen sich mit insgesamt 5000 Euro jährlich an den Personalkosten, so dass für die Stadt keine Kosten anfallen.

Christiane Beyer wird, wenn der Fachausschuss heute die Umsetzung beschließt, das Konzept schreiben. „Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Jahr mit der Umsetzung starten werden.“