Hauswirtschaft – ein unterschätzter Beruf

Neue Westfälische I 28.01.2016 von Josef Köhne

In der Hauswirtschaft sind Multitalente gefragt.

Ausbildung: Landwirtschaftskammer, Agentur für Arbeit und Landfrauenverbände ziehen mit Ausbildungsbetrieben an einem Strang. Das Ziel ist die Zusammenführung von Ausbildenden und Azubis

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Foto: VIELSEITIG: ANERKENNUNG FINDET DIE ARBEIT DER AUSZUBILDENDEN
ANITA UND CHRISTINE WEDEL (V. L.) BEI ULRIKE ROXLAU, PETRA GÜLDNER,
MARTIN IRGANG, GUDRUN SCHÄFER, MELANIE WAGNER-THÜS, MARIANNE SCHRÖDER,
KORNELIA WEGENER UND GABRIELE BECKMANN. | © JOSEF KÖHNE

Bad Driburg. Mit Vertretern der Landwirtschaftskammer Brakel, der Landfrauenverbände Paderborn-Büren und Höxter, der Agentur für Arbeit Höxter-Warburg sowie der Einrichtungsleitung des Seniorenparks Carpe diem werben die Auszubildenden Anita und Christiane Wedel für den ihrer Meinung nach viel zu wenig bekannten Ausbildungsberuf Hauswirtschaft.

Ihren Ausführungen zufolge ist dieser Beruf so vielseitig, dass er sich, mit der Musik verglichen, als Sinfonieorchester darstellen lasse, in dem der Musiker nahezu alle Instrumente perfekt beherrscht, und bei Bedarf als Solist oder Dirigent agieren kann.

Umso bedauerlicher finden die Vertreter der Landwirtschaftskammer und der Landfrauenverbände, dass sich immer weniger junge Menschen für diesen Beruf interessieren. „In NRW sind die Ausbildungszahlen von 800 im Jahr 2009 auf 488 in 2014 gesunken“, zeigt Kammervertreter Martin Irgang einen Trend auf, der sich nach Auffassung der Landfrauenverbände und der Agentur für Arbeit kontinuierlich fortsetzt. Bedauerlich sei, dass der Beruf immer noch unterbewertet werde, erklärt Ulrike Roxlau. Als Einrichtungsleiterin des Seniorenparks Carpe diem machte sie die Erfahrung, dass beispielsweise Lehrer in den Realschulen ihre Schüler für überqualifiziert hielten.

„Wir haben mittlerweile viele Menschen mit Behinderungen oder von Förderschulen in Teilbereichen der Hauswirtschaft eingesetzt“, erklärt Roxlau, „das darf jedoch nicht das insgesamt anspruchsvolle Berufsbild verzerren und abqualifizieren.“

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Foto: ALLES IM BLICK: CHRISTINE (L.) UND ANITA WEDEL SIND FLEXIBEL, EINSATZFREUDIG
UND KUNDENORIENTIERT. KAUM HAT MARIANNE SCHRÖDER DIE TASSE IN DER HAND,
STEHEN SIE MIT DER KAFFEEKANNE AN IHRER SEITE. | © JOSEF KÖHNE

Für die Ausbildungsberaterin der Landwirtschaftskammer, Marianne Schröder, werde dieser Beruf in der heutigen Gesellschaft immer interessanter und sei mit dem des Hausmädchens früherer Zeiten nicht zu vergleichen. „Kindertagesstätten, Schulen, Senioreneinrichtungen: Sie alle kommen ohne qualifizierte Hauswirtschafterinnen nicht mehr aus“, macht sie den zunehmenden Bedarf deutlich.

Arbeitgeber seien heute unter anderem Wohngruppen für Jugendliche, Wohnheime für Menschen mit Handicap, Krankenhäuser, Seniorenheime, Gastronomiebetriebe, Kureinrichtungen, Urlaubshöfe und Cateringunternehmen. Um die Ausbildung in diesem Beruf zu schaffen, reiche ihrer Meinung nach ein ordentlicher Hauptschulabschluss aus. „Wichtig sind Flexibilität und Einsatzbereitschaft“, meint Schröder. Sie gibt aber auch zu bedenken, dass mathematische Grundkenntnisse und ein Grundwissen in Chemie, Hygiene und kaufmännischem Denken vorhanden sein sollten.

Die Aufstiegschancen bewertete die Ausbildungsberaterin als sehr gut: „Möglich sind der Meister in der Hauswirtschaft, der Bachelor of Science und der Master of Science.“ Um den Schulabgängern aller Schultypen den Beruf näher zu bringen, wollen die ausbildenden Betriebe, die Agentur für Arbeit und die für die Berufsausbildung zuständige Landwirtschaftskammer in Zukunft noch näher zusammenarbeiten.

Alle Beteiligten begrüßen den von Ulrike Roxlau für den 26. Februar angekündigte „Challenge Tag“. An ihm sollen alle umliegenden Schulen von 9 Uhr bis 13 Uhr das gesamte Aufgabengebiet einer Hauswirtschafterin oder eines Hauswirtschafters der Senioreneinrichtung kennenlernen können. Interessenten bekommen Auskunft unter Tel. (0 52 53) 4 04 70.